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Der Stadtbrand von Thessaloniki 1917

Mittwoch, August 16th, 2017

Ein tagelanger großer Brand verwüstete im Sommer 1917 weite Teile von Thessaloniki. Dieses Ereignis vor nun genau 100 Jahren veränderte in vieler Hinsicht diese zuvor multikulturelle Großstadt, die erst 1912 vom Osmanischen Reich zu Griechenland gekommen war und auch vom 1. Weltkrieg betroffen war.

Das Feuer begann gegen 15 Uhr am 18. August 1917 und wütete über 32 Stunden, zunächst in den Armenvierteln um die Kirche Agios Dimitrios und in den höher gelegenen Gegenden der Stadt, es fraß sich dann aber durch starke Sommerwinde vorangetrieben immer weiter, schließlich durch ein Drittel des gesamten Stadtgebiets, zerstörte über 9.500 Häuser und machte ca. 70.000 Menschen obdachlos, bevor es kurz vor dem Weißen Turm gestoppt werden konnte.

Vernichtet wurden fast ein Quadratkilometer dichtbebautes mittelalterliches Stadtbild ohne Stadtplan oder Brandschutz und mit eingeschränkter Wasserversorgung wegen der großen alliierten Militärlager. Die Zerstörungen bei den Gebetsstätten waren verheerend, christliche Kirchen, 12 Moscheen, 16 Synagogen inklusive der Sitz des Großen Rabbi und sein Archiv verbrannten, aber auch Buchverlage und die meisten der Zeitungsverlage.  4.096 der 7.695 Geschäfte und 70% der Arbeitsplätze gingen im Feuer verloren.

Der Wiederaufbau von Thessaloniki erfolgte nach einem modernen Stadtplan, nachdem die Regierung unter Ministerpräsident Eleftherios Venizelou den bloßen Wiederaufbau zunächst strikt untersagt hatte. So ist der heutige zentrale Platz von Thessaloniki, der weitläufige Aristotelous-Platz, also gar nicht „typisch altes Stadtbild“, sondern nach den Plänen des berühmten französichen Architekten und Stadtplaners Ernest Hébrard erst 1918 mit monumentalen Fassaden entworfen und anstelle der niedergebrannten Vorbebauung großteils erst in den 1950erJahren -aus Kostengründen vereinfacht- errichtet worden.