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Erneute Flucht des griechischen Ausbrecherkönigs

Freitag, März 13th, 2009

Der berüchtigte Ausbrecherkönig Vassilis Paleokostas ist erneut aus dem Athener Gefängnis Korydallos geflohen. Durch seine spektakuläre Flucht mit dem Helikopter leidet das Ansehen der griechischen Sicherheitsbehörden.

 

 

Mit seinem Komplizen und Mithäftling, dem Albaner Alket Rizaj, floh der vielfach vorbestrafte Insasse des Athener Gefängnis Korydallos wiederum vor den Augen der griechischen Sicherheitsbehörden – per Hubschrauber und in exakter Wiederholung seiner ersten Flucht aus demselben Gefängnis im Jahre 2006. Der Ausbruch machte negative Schlagzeilen auch im Ausland. Die Reaktionen innerhalb Griechenlands werden von Amüsement und Spott über die  Fehlleistungen der Sicherheitsbehörden beherrscht.


 Im Vorfeld der Olympischen Spiele 2004 gab es bereits Zweifel  –besonders aus den USA-  an der Leistungsfähigkeit der griechischen Sicherheitsbehörden. Es folgte eine Reorganisation der Polizei, deren Ausstattung für ca. 300 Mio Euro mit neuen Polizeiwagen, Sicherheits-westen etc. verbessert wurde. Nach der friedlichen und erfolgreichen Durchführung der Sommerspiele sowie der Aushebung der Mitglieder der Terrorgruppe „17. November“ war diese Kritik zeitweise verstummt, aber in den letzten Jahren häuften sich wieder die Meldungen über Pannen bei den griechischen Sicherheitskräften. Die Rede war dabei von schlechter Ausbildung und Führung bei der Polizei  sowie von Korruption beim Gefängnispersonal. Kritisiert wurde auch die Behandlung der Straßenkämpfe mit Anarchisten nach dem Tod eines 15-jährigen Schülers durch eine Polizeikugel in Athen kurz vor Weihnachten 2008, wobei es in mehreren griechischen Städten zu Verwüstungen kam.

Kritik riefen außerdem parteipolitisch motivierte Umbesetzungen bei den vorhandenen Stellen hervor und ein häufiger Wechsel in der strategischen Führung —  tatsächlich wechselten auch die zuständigen Minister in den letzten Jahren dreimal.

 

Die Reaktionen auf die hier von einem Amateurfilmer festgehaltene Flucht

 reichen nun in Griechenland von Ungläubigkeit, Ironie und versteckter Sympathie –besonders in Trikala, der Heimatregion des Ausbrecherkönigs- bis zu Bestürzung und Sorge, was sonst noch zu erwarten sei.

 


Aufgewachsen in Moskofyto, einem ganz kleinen Dorf am Fuße des Pindos-Gebirges in 800 Meter Höhe und ursprünglich Waldarbeiter, stammen die ersten Einträge im polizeilichen Führungszeugnis von Vassilis Paleokostas aus dem Jahre 1986 und betrafen Diebstähle und Einbrüche. Auf die schiefe Bahn ist er durch seinen sechs Jahre älteren Bruder Nikos geraten, der seine kriminelle Laufbahn schon früher ebenso in der Gegend von Trikala begonnen hatte. Der Bande um die Brüder werden 27 Einbrüche und Raubüberfälle, vorzugsweise auf Juweliergeschäfte in ganz Griechenland zugeschrieben. Nikos Paleokostas wurde auch über Interpol gesucht. Von Diebstählen und Einbrüchen gingen die Brüder zu Banküberfällen über und erbeuteten bei 16 Raubüberfällen Hunderte von Millionen Drachmen; den Fahndungen und Straßensperren konnten sie –oft nach wilden Schußwechseln mit der Polizei stets entgehen. Beim Überfall auf die Ethniki Trapeza-Bank in Kalambaka erbeuten sie im Juni 1992 125 Mio Drachmen und entziehen sich auf eine filmreife Art dem Zugriff der sie verfolgenden Polizei. Im Dezember 1995 entführen sie den Industriellen Chaitoglou und erpressen 270 Millionen Drachmen Lösegeld.

  -Das Photo zeigt den Fluchthubschrauber.-

 

Wie sein Bruder wurde Vassilis Paleokostas mehrfach verhaftet und konnte wieder aus dem Gefängnis fliehen – er wurde in seiner Verbrecherkarriere schon 27-mal in verschiedene JVA verlegt. Seine erste Flucht war im Januar 1991 aus dem Gefängnis in Chalkida. Er half auch seinem Bruder Nikos bei dessen Fluchtversuchen aus den Gefängnissen von Trikala und Larissa, der während einer Häftlingsrevolte aus dem Gefängnis in Korydallos entkam.

 

Vassilis Paleokostas wurde nach einem Verkehrsunfall zufällig gefasst und zu 25 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Aus dem Hof des Hochsicherheitsgefängnis Korydallos gelang ihm und seinem Mithäftling Alket Rizaj am 4. Juni 2006 die Flucht — per Hubschrauber. Kurz danach entführten sie den Präsidenten des nordgriechischen Industriellenverbandes Giorgos Mylonas und erpressen für seine Freilassung ein Lösegeld von 10,8 Millionen Euro. Jedoch wird  Vassilis Paleokostas am 20. August 2008 in Thessaloniki verhaftet und der Entführung angeklagt.

 

Nun gelang ihm am 22. Februar 2009 zum zweiten Mal die Flucht aus dem Gefängnis Korydallos, wieder mit Hilfe eines Hubschraubers. Paleokostas und sein Komplize Alket Rizai bestiegen dabei eine Strickleiter, die in den Gefängnishof herabgelassen wurde und flogen trotz  zahlreicher Schüsse der Wächter davon.