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Immobilienskandal um das Kloster Vatopedi

Freitag, Februar 27th, 2009

Das Athos-Kloster Vatopedi und sein aus Zypern stammender Abt Efraim stehen seit September 2008  im Mittelpunkt eines Immobilienskandals. Efraim steht seit dem Jahre 1990 als Abt dem zweitwichtigsten und reichsten Athos-Klosters Vatopedi vor. Seitdem öffnete er das seit dem Ende des 10. Jahrhunderts bestehende Kloster in zuvor unbekannter Weise dem weltlichen Verkehr, errichtete Gastezimmer mit Marmorboden, komfortable Aufenthaltszimmer und lieferte sogar Breitbandanschlusse per Satellit. Waren zuvor neben Pilgern allenfalls beruhmte Altertumswissenschaftler in das weltabgeschiedene Kloster gekommen, so besuchten  es nun neben Politikern aus dem In-und Ausland auch haufig prominente Stars aus Hollywood und sogar beliebte Fußballspieler. Im Jahre 1994 landete etwa George W. Bush Senior per Hubschrauber auf dem frischerrichteten Landeplatz des Klosters.

Kloster Vatopedi

Für große Aufregung in den Medien und Druck auf die Regierung des Ministerprasidenten Kostas Karamanlis sorgten gegen Ende 2008 umstrittene Immobilientransaktionen um den nordgriechischen Vistonida-See zwischen dem griechischen Staat und dem Kloster, mit denen sich das Klostervermögen um mindestens 100 Millionen Euro vermehrte –zu Lasten der öffentlichen Hand und mit dem Segen der griechischen Politik.
Es begann damit, dass der Anspruch des Klosters auf den Besitz aller Ufergrundstucke des Vistonida-Sees – samt der Wasserfläche – von der Regierung offiziell anerkannt wurde, obwohl die in osmanische Zeiten zuruckgehenden Besitztitel bei einem lokalen Gericht fur substanzlos erklärt worden waren. Der See war dem Kloster angeblich vor fast 1000 Jahren von byzantinischen Kaisern vermacht worden. Obwohl die Besitzanspruche des Klosters streitig waren, wurden sie nun von der Regierung Karamanlis grundsätzlich anerkannt und zahlreiche Landwirte und Fischer mit späteren Besitztiteln wurden nach heftigen Protesten der Bewohner vor Ort von der konservativen Regierung unter der Leitung von Kostas Karamanlis für ihren verlorenen Landbesitz entschädigt — laut der lokalen Presse belief sich die Abfindung auf insgesamt 80 Millionen Euro.
schlagzeile vatopedi-skandal
Im Tausch gegen den See mit seiner gesamten Wasseroberflache und allen übrigen Ufergrundstucken erhielt das Kloster 260 werthaltige Grundstucke in touristisch entwickelten Gebieten, auch im Olympiadorf in Athen, die es teilweise sogleich mit Gewinn weiterverkaufte. Bei dem Deal mit der staatlichen Immobilienverwaltung wurden die vom Kloster Vatopedi beanspruchten Flachen drastisch über- und die eingetauschten staatlichen Immobilien ebenso drastisch unterbewertet. Das ergab einen Wertzuwachs um das Acht- bis Zehnfache. Allein fur ein Filetstuck des Olympischen Dorfs von Athen kassierte das Kloster 41 Millionen Euro.

Weiter wurde bekannt, daß kurz nach Abschluß der Tauschgeschafte zwischen Regierung und Kloster Waldgebiete zu Bauland erklärt wurden.  Die niedrig angesetzten Wertpreise schossen deshalb über Nacht in die Hohe.  Der Immobilienskandal fuhrte bereits zum Rucktritt des in die Immobiliengeschafte verwickelten Handelsmarineminsters Giorgos Voulgarakis. Zwei Staatsanwalte traten aus Protest zuruck, weil sie von der Regierung in ihrer Ermittlungstatigkeit behindert worden seien: Sie hatten Beweise fur die Verwicklung von Regierungsmitgliedern gefunden und wollten die Ermittlungsakten – wie es das  vorsieht – ans Parlament weiterleiten, das nach griechischem Recht über eine Ministeranklage zu befinden hat. Diesen Schritt habe der ihnen vorgesetzte Oberstaatsanwalt aus politischen Motiven verhindert. Nach heftigem Streit über die Art der parlamentarischen Aufklärung des Skandals entschied sich das Parlament auf Vorschlag der Regierungspartei für die Einsetztung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses, während alle Oppositionsparteien einen Vorermittlungsausschus gefordert hatten: Bei einem Untersuchungsausschuss sind im Falle von Neuwahlen die Nachforschungen beendet und der Skandal wäre somit vom Tisch. Der Vorermittlungsausschuss hätte für indizierte Politiker auch nach Beendigung ihrer Amtszeit bedeutet, daß sie sich ggf. gerichtlich hätten verantworten müssen.

Unter starken Beschuss der Opposition geriet ferner der Regierungssprecher Staatsminister Theodoros Rousopoulos, ein Freund des Vatopedi-Abtes Efraim und gleichzeitig enger Vertrauten des Regierungschefs; Rousopoulos trat am 23. Oktober 2008 zurück.